Silvesterabend – Rilke zum Jahreswechsel

Silvesterabend – Rilke zum Jahreswechsel

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SEI ALLEM ABSCHIED VORAN

Den Jahreswechsel feiern viele mit Lärm. Wir feiern ihn seit vielen Jahren mit Sprache. Mit Musik. Mit tiefer Schönheit und poetischer Ehrlichkeit. Und mit dem Liedtext des Bonhoeffer Gedichts „Von guten Mächten…“

Am letzten Abend dieses Jahres laden wir Sie und euch zu einer besonderen Begegnung mit einem geliebten und bekannten Literaten, dessen Todestag sich am 29. Dezember zum hundertsten Mal jährt: Rainer Maria Rilke. Wir treffen in ihm auf einen Dichter, der wie kaum ein anderer wusste, dass Abschied und Anfang zusammengehören. «Sei allem Abschied voran» überschreiben wir darum diesen Abend mit der ersten Zeile aus einem Sonett Rilkes. Ein Satz, der wie geschaffen scheint für den Übergang vom alten ins neue Jahr.

Jörg Werron und Frank Lorenz lesen, rezitieren und gestalten Gedichte, Briefe und Prosatexte Rilkes. Der junge Gitarrist Emile Steiner begleitet den Abend musikalisch – fein, zurückhaltend und doch mit einer eigenen Stimme. Wort und Musik treten in einen Dialog, der Raum schafft zum Erinnern, Hoffen und Weitergehen.

Rilke lädt uns ein, dem Leben ohne Angst zu begegnen. Er schreibt: «Lass dir alles geschehn: Schönheit und Schrecken.» Beides gehört zu jedem Jahr. Beides trägt jede Biografie in sich. Und doch wächst daraus Hoffnung.

Immer wieder erzählt Rilke von Aufbruch. «Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich um die Dinge ziehen», heisst es im Stundenbuch. Nicht im Kreis drehen wir uns, sondern in immer weiteren Kreisen um das Geheimnis unseres Lebens.

Rilkes Gedichte kennen die Einsamkeit ebenso wie das Staunen, die Verletzlichkeit ebenso wie den Mut. Sie sprechen von Sehnsucht, von Liebe, von Gott und von der Kunst, offen zu bleiben. «Geh bis an deiner Sehnsucht Rand», schreibt er – als Einladung, das Leben nicht kleiner zu machen als es ist.

Wie bei den traditionellen Silvesterabenden der Offenen Kirche Elisabethen geht es auch diesmal nicht um Rückblicke oder gute Vorsätze. Es geht um Aufmerksamkeit. Um das Innehalten an einer Schwelle. Um jene leise Zuversicht, die Rilke in einem seiner schönsten Gedichte beschreibt: dass «Einer» da ist, «welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält».

Ein literarisch-musikalischer Abend für Menschen, die das alte Jahr bewusst verabschieden und dem neuen mit offenen Augen und offenem Herzen entgegentreten möchten. Und wie jedes Jahr, so auch dieses Jahr: Am Ende singen wir die „Guten Mächte“ nach Bonhoeffers Gedichttext.

 

Datum und Uhrzeit

31-12-2026 | 17:00 (GMT) bis
31-12-2026

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